Schweizer Hochschulraum

In den letzten zehn Jahren haben alle Schweizer Hochschulen ihre Studiengänge und Studienprogramme mit umfassenden strukturellen Reformen erneuert. Der komplexe Prozess hin zu einer zweistufigen Studienstruktur verlief schneller und umfassender als in vielen anderen Ländern Europas. Nach Abschluss der strukturellen Neuerungen liegt nun der Fokus auf der Konsolidierung des bisher Erreichten und der kontinuierlichen und konsequenten Weiterentwicklung auf inhaltlicher Ebene.

Richtlinien und Grundsätze

Für die universitären Hochschulen bilden die im Dezember 2003 erlassenen und seither mehrfach ergänzten Bologna-Richtlinien des Hochschulrates für die koordinierte Erneuerung der Lehre an den Hochschulen der Schweiz den rechtlichen Rahmen der Reformbestrebungen. Die „Bologna-Richtlinien“ werden durch die „Empfehlungen der CRUS für die koordinierte Erneuerung der Lehre an den universitären Hochschulen der Schweiz im Rahmen des Bologna-Prozesses“ ergänzt und konkretisiert.

Gestuftes Studiensystem

Die Schweizer Hochschulen gliedern ihre Studiengänge in eine Bachelorstufe (180 ECTS Credits), eine Masterstufe (90 oder 120 Credits, Ausnahmen bei der Medizin) und eine Doktoratsstufe. Der Umfang und die Ausgestaltung der Doktoratsstufe werden von den Universitäten unabhängig festgelegt.

ECTS

Die Schweizer Hochschulen führen das European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) ein. Das ECTS basiert auf einem Credit-System und verschiedenen Informations- und Dokumentationsinstrumenten. In der Schweiz entspricht ein ECTS Credit einem Arbeitsaufwand von 25 bis 30 Stunden.

Empfehlungen der CRUS für die Anwendung von ECTS an den universitären Hochschulen (CRUS, 2004)

Benennung der Studienabschlüsse

Die offizielle Benennung der neuen Studienabschlüsse umfasst drei Elemente: die Studienstufe, den wissenschaftlichen Bereich oder methodischen Zugang, die verleihende Universität. Optional kann die wissenschaftliche Vertiefungsrichtung zusätzlich angegeben werden.

Regelung der CRUS für die einheitliche Benennung der universitären Studienabschlüsse im Rahmen der Bologna-Reform (CRUS, 2012)

Freizügigkeit

Bachelorabsolventinnen und -absolventen einer Schweizer Universität werden ohne Bedingungen zu den Masterstudiengängen in der entsprechenden Studienrichtung zugelassen.

Gleichwertigkeit

Die Lizenziate und Diplome (d.h. die Abschlüsse vor der Bologna-Reform) sind dem Masterabschluss gleichwertig. Inhaberinnen und Inhaber eines Lizentiats oder Diploms sind berechtigt, anstelle des bisherigen Titels den entsprechenden Mastertitel zu führen.

Durchlässigkeit

Bachelorabsolventinnen und -absolventen einer Schweizer Hochschule werden unabhängig von der Art und Herkunft des Vorbildungsausweises zum Studium an anderen Hochschultypen (universitäre Hochschulen, Fachhochschulen, Pädagogische Hochschulen) zugelassen. Der direkte Übertritt ins Masterstudium in der entsprechenden Studienrichtung in einem anderen Hochschultyp ist möglich.

Durchlässigkeit zwischen den Hochschultypen (CRUS, KFH, COHEP, 2010)

Konkordanzliste (CRUS, KFH, COHEP, 2010)

Akteure und Gremien

SHK

Die Schweizerische Hochschulkonferenz (SHK)setzt den Auftrag von Artikel 63a Bundesverfassung um, wonach Bund und Kantone gemeinsam für die Koordination und die Gewährleistung der Qualitätssicherung im Hochschulbereich sorgen. Rechtliche Grundlage für die neue Hochschullandschaft Schweiz sind das Anfang 2015 in Kraft getretene Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz (HFKG), das interkantonale Hochschulkonkordat sowie die Vereinbarung zwischen dem Bund und den Kantonen über die Zusammenarbeit im Hochschulbereich (ZSAV-HS).

swissuniversities

Mit dem Inkrafttreten des neuen Bundesgesetzes über die Förderung der Hochschulen und die Koordination im schweizerischen Hochschulbereich(Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz, HFKG) ab 2015 änderten sich die Akteure im Schweizer Hochschulraum: Die Rektorenkonferenzen CRUS, KFH (Rektorenkonferenz der Fachhochschulen der Schweiz) und COHEP (Schweizerische Konferenz der Rektorinnen und Rektoren der Pädagogischen Hochschulen) wurden neu unter einem Dach vereint. Der Verein swissuniversities bereitet die Zusammenführung der bestehenden drei Rektorenkonferenzen zu einer einzigen Rektorenkonferenz der schweizerischen Hochschulen vor. Ziel des Vereins ist die vertiefte Koordination zwischen den verschiedenen Hochschultypen.

Aktuelle Prioritäten

Die Delegation Lehre der CRUS hat für die kommenden Jahre folgende Prioritäten festgelegt:

  • Implementierung des Qualifikationsrahmens für den schweizerischen Hochschulbereich Der Qualifikationsrahmen für den schweizerischen Hochschulbereich (nqf.ch-HS) dient den Hochschulen als Referenzdokument bei der Ausgestaltung der Studiengänge und Studienprogramme sowie bei der Formulierung von Lernzielen. Er erleichtert die Vergleichbarkeit der Abschlüsse in der Schweiz und in Europa und fördert damit die Transparenz. Die Implementierung des nqf.ch–HS in den universitären Hochschulen der Schweiz soll weiter vorangetrieben werden.
  • Konsolidierung der Bachelorstufe In der Schweiz soll in den kommenden Jahren die eigenständige Profilierung und innere Kohärenz der Bachelorstufe vorangetrieben werden. Die Lernziele der Bachelorstufe sollen konsolidiert und im nqf.ch–HS verankert werden.
  • Flexibilisierung des Studiums Durch flexiblere Studiengänge und Studienprogramme sollen kompetenzorientierte Studienverläufe realisiert und individuelle Ausgestaltungsmöglichkeiten erleichtert werden. Flexibilisierung umfasst viele Facetten, wie etwa die Ermöglichung von Teilzeitstudien oder die Durchlässigkeit zwischen den Hochschultypen.

Trends und Entwicklungen

Einige Beispiele und Zahlen zu den aktuellen Trends und Entwicklung, die an den universitären Hochschulen der Schweiz zu beobachten sind:

Studienerfolg

Das zweistufige Studiensystem begünstigt den erfolgreichen Erwerb eines ersten universitären Abschlusses. Im Jahr 2011 betrug die durchschnittliche Erfolgsquote sechs Jahre nach Studienbeginn für die Bachelorstufe 70%. Auf Masterstufe war die Erfolgsquote mit 89% für die Anfänger-Kohorte von 2005 ebenfalls sehr hoch. Diese Erfolgsquoten liegen deutlich über derjenigen der Studierenden, die zehn Jahre zuvor ein Lizentiats- oder Diplomstudium begonnen hatten. Ein wesentlicher Grund für die Verbesserung des Studienerfolgs dürfte bei der verkürzten Studiendauer bis zum ersten Abschluss liegen.

Übertritt vom Bachelor- ins Masterstudium

Der Masterabschluss stellt in der Schweiz den Regelabschluss dar. Entsprechend hoch sind die Übertrittsquoten vom Bachelor- ins Masterstudium: In den Jahren 2010/2011 nahmen durchschnittlich 85% der Bachelorabsolventinnen und -absolventen innerhalb von zwei Jahren ein Masterstudium auf. Die höchsten Übertrittsquoten verzeichnen die Medizin und Pharmazie (99%), die Technischen Wissenschaften (98%) und die Rechtswissenschaften (97%). Bei den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie den Wirtschaftswissenschaften sind sie Übertrittsquoten deutlich geringer (75%).

Räumliche Mobilität

Die räumliche Mobilität der Studierenden beim Übertritt in die Masterstufe erweist sich in den letzten Jahren als relativ stabil. Rund 32% der Mastereintritte von 2011 hatten ihren vorherigen Abschluss an einer anderen Hochschule erworben, davon rund die Hälfte im Ausland. Die räumliche Mobilität hängt in erster Linie davon ab, ob das gewünschte Masterprogramm an der eigenen Hochschule angeboten wird oder nicht. Weitere Gründe für einen Hochschulwechsel sind die Studiengebühren, der gute Ruf einzelner Masterprogramme sowie der Wunsch nach einem Ortswechsel.

Durchlässigkeit zwischen den Hochschultypen

Die Zahl der Studierenden, die nach dem Bachelorabschluss ein Masterstudium an einem anderen Hochschultyp (universitäre Hochschule, Fachhochschule, Pädagogische Hochschule) aufnahmen, ist bis 2009 stark gestiegen. Gründe waren der Ausbau der Masterangebote an den Fachhochschulen sowie die allgemeine Zunahme der Bachelorabschlüsse. Seither ist die Zahl für alle Übertrittstypen relativ konstant geblieben. 2011 wechselten durchschnittlich 4% der Studierenden den Hochschultyp beim Übertritt vom Bachelor- ins Masterstudium. Die häufigsten Übertritte fanden von Fachhochschulen an universitäre Hochschulen statt.