European Higher Education Area

Die Etablierung von mobilitäts- und innovationsfreundlichen Rahmenbedingungen für eine gesamteuropäische Hochschulbildung rückte Mitte der 1990er Jahre ins Zentrum der politischen Agenda. Gründe dafür waren u.a. die zunehmende Konkurrenz zum englischsprachigen Bildungsraum und die Entstehung des europäischen Wirtschaftraums. So wurden in der Bologna-Deklaration von 1999 folgende politische Ziele für den Bologna-Prozess (1999-2010) und die European Higher Education Area (EHEA) festgelegt:

  • Schaffung eines verständlichen Systems von vergleichbaren akademischen Abschlüssen
  • Einführung von zweistufigen Studienstrukturen
  • Etablierung eines transparenten Credit-Systems
  • Förderung der Mobilität, der Zusammenarbeit in der Qualitätssicherung und der europäischen Dimension in der Hochschulbildung
  • Förderung der Zusammenarbeit in der Qualitätssicherung und Evaluation
  • Förderung der europäischen Dimension in der Hochschulbildung

Die Bologna-Deklaration umfasst mittlerweile 47 Signatarstaaten (darunter die Schweiz).

Handlungsfelder

Seit der Bologna-Deklaration von 1999 sind weitere wichtige Handlungsfelder für die Gestaltung der europäischen Hochschullandschaft dazugekommen. Als gemeinsamer Nenner liegt ihnen eine studierendenzentrierte Sicht auf Lehr- und Lernprozesse zugrunde.

Kompetenzorientierung

Die Hochschullehre wird vermehrt kompetenzorientiert ausgestaltet. Dies bedeutet, dass die zu erwerbenden Kompetenzen, Kenntnisse und Fähigkeiten der Studierenden bei der Planung, Durchführung und Evaluierung von Lerneinheiten (z.B. Lehrveranstaltungen, Studienprogramme) in den Vordergrund rücken.

Employability

Das Studium vermittelt nicht nur wissenschaftliche Bildung, sondern schafft auch optimale Voraussetzungen, dass sich die Hochschulabsolventinnen und -absolventen erfolgreich und zur persönlichen Zufriedenheit auf dem Arbeitsmarkt positionieren können. Dies setzt u.a. voraus, dass neben den fachlichen auch überfachliche Kompetenzen gefördert werden.

Lifelong Learning

Um der zunehmenden Diversität der Studierenden Rechnung zu tragen, wird die Anerkennung von früher oder ausserhalb der Hochschule erworbenen Kenntnissen sowie von Ergebnissen des nicht-formalen und informellen Lernens besser berücksichtigt.

Chancengleichheit

Der Chancengleichheit von Frauen und Männern und von Studierenden unterschiedlicher sozialer Herkunft wird eine wichtige Stellung beigemessen. Dies bedingt u.a. die Ermöglichung von Teilzeitstudien und die Bereitstellung von angemessenen Strukturen für den Wiedereinstieg nach Unterbrüchen (Mutterschaft, Militärdienst etc.).

Akteure und Gremien

Die EHEA ist durch einen politischen Aufsichts- und Koordinationsanspruch sowie einen universitären Selbststeuerungs- und Selbstverantwortungsanspruch gekennzeichnet. Politik und Bildungsinstitutionen wirken dabei arbeitsteilig.

Konferenz der Bildungsministerinnen und -minister

Das höchste politische Steuerungsorgan der EHEA ist die Konferenz der Bildungsministerinnen und -minister. Seit 1999 treffen sich die Ministerinnen und Minister alle zwei Jahre, um die erreichten Fortschritte zu diskutieren und die weiteren Ziele und Massnahmen festzulegen. Verschiedene Institutionen (z.B. EuroparatUNESCO) haben Beobachterstatus. 

Bologna Follow-up Group

Zwischen den alle zwei Jahre stattfindenden Konferenzen der Bildungsministerinnen und -minister koordiniert die Bologna Follow-up Group (BFUG) die internationalen Aktivitäten innerhalb der EHEA. Die BFUG setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern der nationalen Regierungen zusammen.

European University Association

Die European University Association (EUA) ist ein Verband der europäischer Universitäten. Als Lobby der Universitäten ist sie einer der wichtigsten Akteure in der EHEA. Sie vertritt die Position der Universitäten in verschiedenen Arbeitsgruppen und Körperschaften und kooperiert mit internationalen Organisationen. Die EUA erarbeitet zudem Berichte und Analysen zur europäischen Hochschulbildung und -forschung.

Aktuelle Schwerpunktthemen

Die Vertreterinnen und Vertreter der 47 Bologna-Signatarstaaten trafen sich im April 2012 in Bukarest zur achten Bologna-Folgekonferenz. Die Zielvereinbarungen der Konferenz sind im Bukarest Communiqué festgehalten. Darin werden untenstehende Themenbereiche besonders hervorgehoben, deren Aktualität sich auch im Yerevan Communiqué von 2015 noch einmal bestätigt findet:

Soziale Dimension

Das Bestreben, dass die Studierendenschaft die Zusammensetzung der Gesamtbevölkerung optimal reflektieren soll, konnte bislang nicht hinreichend erreicht werden. Deshalb sprechen sich die Bildungsministerinnen und -minister dafür aus, den Zugang zu qualitativ hochstehender Hochschulbildung sozial gerecht zu erweitern. Unterrepräsentierte Gruppen sollen besser unterstützt, bestehende Zugangsschranken abgebaut und alternative Bildungswege breiter akzeptiert werden.

Employability

Die Hochschulen sollen mit geeigneten Massnahmen dazu beitragen, die Studierenden besser auf ihren Übertritt ins Erwerbsleben vorzubereiten. Dies soll durch eine intensivierte Zusammenarbeit zwischen Universitäten, Arbeitgebern und Studierenden sowie eine optimierte Verankerung des Lebenslangen Lernens auf Hochschulebene erreicht werden. Gleichzeitig sprechen sich die Bildungsministerinnen und -minister nachdrücklich für die Stärkung der Verknüpfung von Forschung und Lehre aus; die Universitäten sollen auch den Auftrag erfüllen, ihren eigenen Nachwuchs zu bilden.

Mobilität

Die Förderung der Studierendenmobilität ist und bleibt ein Schwerpunktthema der nächsten Jahre. Künftig soll jede/r fünfte Studierende am Ende ihres/seines Studiums Auslandserfahrungen vorweisen können. Der Mobilität kommt im Hinblick auf die wachsende Bedeutung der Employability eine neue wichtige Dimension zu: Auslandsaufenthalte sollen dazu beitragen, den Studierenden den Einstieg ins Arbeitsleben zu erleichtern. Um die Mobilitätsziele zu erreichen, sprechen sich die Bildungsministerinnen und -minister für einen weiteren Abbau von Mobilitätshemmnissen (z.B. im Bereich der Anrechnung externer Studienleistungen) aus. Die Hochschulen werden zudem aufgefordert, vermehrt Kooperationen mit anderen Hochschulen einzugehen und gemeinsame Studienangebote (z.B. Joint Degree Programme) anzubieten.

Qualität Studium und Lehre

Die Bildungsministerinnen und -minister wollen sich verstärkt für die Qualitätsentwicklung von Studium und Lehre einsetzen. Sie werben für die Förderung des studierendenzentrierten Lehrens und Lernens, die konsequente Orientierung an Lernzielen sowie für Optimierungen in den Bereichen Qualitätssicherung und Lehr-Governance.